HINTERGRUND UND GEGENSTAND DES VORHABENS

Ursprünge

In den 80er Jahren wurden die Grundlagen für die Entstehung des Biotechnologiesektors in Deutschland gelegt. Die in diesem Bereich gegründeten und vielfach heute noch aktiven Unternehmen gelten als hochinnovativ und haben zur Entwicklung wegweisender Produkte und Verfahren in vielen Wirtschaftssektoren beigetragen, darunter die Landwirtschaft, Nahrungsmittelindustrie, Chemie, Medizin u.v.a.m.. Dabei spielte die Förderung durch den Bund und die Länder, wie beispielsweise der BioRegio-Wettbewerb eine wesentliche Rolle und kann auf zahlreiche Erfolge am Standort Deutschland verweisen.

Mit der zunehmenden Hinwendung zu ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Lösungen spielte seit den 90er Jahren die Biotechnologie eine immer größere Rolle für das Gebiet der Bioökonomie. Die Bioökonomie ist ein breites, interdisziplinäres Gebiet und verfolgt das Ziel der Transformation hin zu einer nachhaltigen Bereitstellung von Rohstoffen und Produkten, und einer Ablösung der auf fossilen Energiequellen basierenden Versorgung. Die Bioökonomie orientiert sich an der Idee der Kreislaufwirtschaft, in der Ressourcen stufenweise und mehrfach genutzt werden, um internationale Nachhaltigkeits- und Klimaziele zu erreichen.

Perspektiven

Der Titel dieses Forschungsvorhabens lautet: "B2B Future: Von der Biotechnologie zur Bioökonomie - Analyse von öffentlicher Forschungsförderung, technologischen Pfaden und Innovationsdynamiken im Zeitraum zwischen 1995 und 2015 in Deutschland".

Das Projekt wendet sich der Frage zu, wo die Ursprünge der heutigen Bioökonomie in Deuschland zu suchen sind. Es zeichnet den Wandel des relativ eng abgegrenzten Biotechnologiefeldes hin zur deutlich breiter aufgestellten Bioökonomie in Deutschland nach. Die im Projekt genutzten Patentdatensätze erlauben es, in Kombination mit Netzwerk- und Zitationsanalysen, dominante und periphere technologische Pfade für den Zeitraum zwischen 1995 und 2015 abzugrenzen. Gleichzeitig werden Förderdatensätze ausgewertet, um den Zusammenhang zwischen den Förderaktivitäten im weiteren Themenfeld der Biotechnologieforschung der letzten zwei Jahrzehnte und den zuvor identifizierten technologischen Pfaden zu analysieren. Damit wird ein Beitrag zum besseren Verständnis ko-evolutionärer Prozesse zwischen „technologischer Ebene“ („technology space“) und „Förderebene“ („policy space“) sowie der daraus resultierenden Innovationsdynamiken geleistet.

Die zuvor identifizierten technologischen Pfade und Verbreitungsmuster werden dem aktuell zu beobachtenden Gesamtbild der Bioökonomie gegenübergestellt. So lassen sich Aussagen darüber ableiten, welche biotechnologischen Innovationen zur Entwicklung der heutigen Bioökonomie beigetragen haben. Dabei wird insbesondere auf die Unternehmensebene fokussiert, indem die Frage beantwortet wird, wie die Einbettung und strategische Positionierung von Unternehmen innerhalb der technologischen Pfade zu ihrem Erfolg beigetragen hat.

Schließlich werden die sozio-ökonomischen Implikationen der aufgezeigten Entwicklungsmuster bewertet. Die Ergebnisse werden hinsichtlich ihres Beitrages zur Erreichung der übergeordneten Ziele der Nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030 diskutiert. Die Projektergebnisse sind einerseits für Unternehmen der Bioökonomie relevant. Sie liefern theoretisch abgesicherte und empirisch fundierte Referenzpunkte für deren zukünftige strategische Ausrichtung. Andererseits tragen sie zur aktuellen innovationspolitischen Debatte bei, indem belastbare Aussagen über die Wirkungsweise von Förderinstrumenten abgeleitet werden.